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Yachtunfall beim Anlegen längsseits

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Bitte beachte: 

Auch, wenn der nachfolgende Unfall vermeidbar war, so möchte ich den RG hier auf keinen Fall "zur Schau stellen". Fehler passieren jedem Skipper mal, ohne Ausnahme.
Mir geht es jedoch darum, aus Fehlern zu lernen.

Situation: 

  • 2 Steuerräder
  • Gashebel im Fußraum
  • Ablandiger Wind
  • keine Poller am Steg, sondern Ringe
  • keine Hilfe an Land zur Übernahme der Leine(n)

Analyse:

Der Rudergänger will mit der Steuerbordseite anlegen und steht auch auf dieser Seite.

Um vor der liegenden Yacht anlegen zu können, ist der RG zunächst voraus an der liegenden Yacht vorbei gefahren und hat dann eine Wende über BB durchgeführt, um mit der StB-Seite längsseits anzulegen.

Bei dieser Wende steht er auf der Steuerbord-Seite und hat daher einen schlechten Überblick nach Backbord voraus. Das könnte dazu geführt haben, dass er die Entfernung falsch eingeschätzt hat.

Die Geschwindigkeit war für diese (leichten) Verhältnisse viel zu hoch gewählt.

Der Vorschiffsmann wollte zwar den Rudergänger warnen, hat diesen jedoch nicht direkt angeschaut. Daher wusste er nicht, ob der RG ihn überhaupt wahrgenommen hat.

Besser wäre es hier gewesen, wenn der Vorschiffsmann zum Rudergänger geschaut und ihm laut zugerufen hätte.

Der Gashebel ist bei dieser Yacht im Fußraum. Als der RG die Gefahr erkannte, musste er sich erst noch herunterbeugen, um aufzustoppen und hat dadurch weitere Zeit verloren. Der Gegenschub konnte nicht mehr richtig wirken.

Wie hätte der Unfall verhindert werden können?

  1. Der RG hätte hier einen Mitsegler einteilen können, der sich ausschließlich - nach seiner Anweisung - um den Gashebel hätte kümmern müssen. Dadurch hätte er permanent den Überblick gehabt.
  2. Am zweitbesten wäre hier gewesen, die Yacht rückwärts an den Steg zu fahren, um - wie geplant - mit der StB-Seite anzulegen.

    In diesem Fall hätte der RG zunächst an der parkenden Yacht rückwärts vorbeifahren und dann auf den Steg einlenken können.
  3. Das beste Manöver wäre es jedoch gewesen, wenn der RG mit der Yacht im 90-Grad-Winkel rückwärts an den Steg gefahren wäre.

    In dem Fall hätte nur die innenliegende Achterleine durch den gewünschten Ring gezogen werden müssen.

    Danach hätte man problemlos und sicher durch Eindampfen in die Achterleine die Yacht längsseits an den Steg gebracht.

 

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